Walchwil hat die Wahl – und mit ihr die Möglichkeit, die Zukunft der Gemeinde mitzugestalten. Doch wer sind die Menschen, die sich neu für den Gemeinderat zur Verfügung stellen? Welche Ideen bringen sie mit, was bewegt sie und wohin möchten sie Walchwil führen? Das Portal punkt-walchwil.ch hat den Neukandidierenden sechs Fragen gestellt und ihnen damit Gelegenheit gegeben, ihre Anliegen, Schwerpunkte und Visionen für unser Dorf zu präsentieren.

Warum kandidieren Sie für den Gemeinderat?
Judith Hürlimann
Walchwil liegt mir am Herzen. Ich bin hier aufgewachsen, kenne unser Dorf seit meiner Kindheit und bin heute mit meiner eigenen Familie hier zu Hause. Deshalb möchte ich mich engagieren und auch etwas an Walchwil zurückgeben.
Durch meinen Beruf, meine Erfahrung als Teamleiterin und als Mutter von drei Jungs bringe ich vieles mit, das auch im Gemeinderat gefragt ist: organisieren, zuhören, Lösungen finden und auch dann den Überblick behalten, wenn vieles gleichzeitig läuft.
Diese Erfahrungen möchte ich nutzen und dazu beitragen, dass sich Walchwil auch in Zukunft gut weiterentwickelt.
Frank Feierabend
Motiviert wurde meine Kandidatur durch ein Bauvorhaben der Gemeinde sowie durch die daraus resultierende breite Unterstützung aus meinem Umfeld in Walchwil. Es bereitet mir grosse Freude, mit den Einwohnerinnen und Einwohnern von Walchwil aktiv das Gespräch zu suchen, meine Positionen zu erklären, über die Zukunft unserer Gemeinde zu diskutieren und meine Wahlkampagne aktiv aufzubauen und umzusetzen.
Sonja Bochsler-Rust
Walchwil ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen, tief im Dorf verwurzelt und seit vielen Jahren im Vereinsleben engagiert. Nun möchte ich Verantwortung übernehmen und mich aktiv für die Zukunft unserer Gemeinde einsetzen. Mir ist wichtig, Bewährtes zu erhalten, anstehende Projekte sorgfältig weiterzuführen und Walchwil gemeinsam zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln.
Christophe Lanz
Ich möchte mich für Walchwil engagieren und einen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gemeinde leisten. Walchwil ist für mich eine Herzensangelegenheit – ich bin hier aufgewachsen und lebe mit meiner Familie hier. Auch Ermutigungen und Anfragen aus der Bevölkerung haben mich in meinem Entscheid bestärkt.
Gleichzeitig reizt mich die Möglichkeit, die politische Arbeit auch aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Im Kantonsrat erlebe ich die Legislative und beschäftige mich mit politischen Fragestellungen auf kantonaler Ebene. Im Gemeinderat geht es stärker um die konkrete Umsetzung und damit um die praktische Seite der Politik. Diese Kombination finde ich spannend. Und schliesslich bin ich persönlich neugierig und möchte mich gerne in neue Themen einarbeiten und Zusammenhänge verstehen.
Marcel Kunz
Ich wollte eine stille Wahl verhindern, da ich finde, wir sollten die freie Wahl haben, wer sich für unsere Anliegen zuständig erklären darf.
Ein paar persönliche schlechte Erfahrungen mit dem heutigen Gemeinderat haben mich bewogen, den Versuch zu machen, es besser hinzukriegen.
Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidierenden, und warum sollten die Walchwilerinnen und Walchwiler Sie wählen?
Judith Hürlimann
Ich finde es schwierig zu sagen, was mich von den anderen unterscheidet. Jeder bringt etwas anderes mit. Ich kann aber sagen, was mich ausmacht: Ich bin bodenständig, offen und herzlich.
Ich mache mir meine eigenen Gedanken und sage auch, wenn ich etwas anders sehe. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass man gemeinsam oft die besten Lösungen findet – auch wenn man am Anfang nicht gleicher Meinung ist.
Mir ist wichtig, authentisch zu bleiben, ehrlich zu sagen, was ich denke, und gleichzeitig andere Sichtweisen ernst zu nehmen. Diese Art möchte ich auch im Gemeinderat beibehalten.
Frank Feierabend
Was mich auszeichnet, ist meine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und konstruktive Lösungen zu erarbeiten. In meinem Berufsalltag bin ich es gewohnt, komplexe Themen zu analysieren, unterschiedliche Interessen abzuwägen und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen. Dabei ist mir wichtig, klar und souverän aufzutreten, gleichzeitig aber auch zuzuhören und andere Perspektiven ernst zu nehmen.
Ich bin offen für Kritik und sehe unterschiedliche Meinungen nicht als Hindernis, sondern als Chance. Gute Lösungen entstehen dort, wo man bereit ist, Argumente auszutauschen, sich hinterfragen zu lassen und gemeinsam nach dem besten Weg zu suchen. Genau diese Haltung möchte ich auch in den Gemeinderat einbringen: sachlich, respektvoll, lösungsorientiert und immer mit Blick auf das Wohl unserer Gemeinde.
Sonja Bochsler-Rust
Was mich auszeichnet, ist meine breite Lebens- und Berufserfahrung. Ich bin auf dem Walchwiler Berg aufgewachsen und lebe heute zentral im Dorf. Dadurch kenne ich unterschiedliche Lebenssituationen und Anliegen in unserer Gemeinde aus eigener Erfahrung. Als Mutter von drei Kindern, langjährig engagierte Vereinsfrau und Expertin Intensivpflege bringe ich verschiedene Perspektiven mit. Ich kann gut zuhören, unterschiedliche Sichtweisen zusammenbringen und auch in anspruchsvollen Situationen ruhig und sachlich bleiben. Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen aktiv mitzugestalten und dafür einzustehen, entspricht meiner Haltung.
Christophe Lanz
Ich bringe eine Kombination verschiedener Erfahrungen mit. Durch meine Tätigkeit im Kantonsrat kenne ich die politische Arbeit und die Abläufe auf kantonaler Ebene aus eigener Erfahrung. Beruflich habe ich Erfahrung in der Leitung grösserer Projekte und in internationalen Unternehmen gesammelt. Dazu kommen meine Führungsausbildung und -erfahrung aus Beruf und Militär.
Als Generalstabsoffizier und heute als Bataillonskommandant bin ich es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und auch unter erschwerten Bedingungen oder in Krisensituationen zu führen. Ergänzt wird dies durch meine Sprachkenntnisse in Deutsch, Französisch und Englisch.
Ich glaube nicht, dass man ein Gemeinderatsamt aufgrund eines einzelnen Merkmals gut ausüben kann. Entscheidend ist für mich die Kombination aus Verbundenheit mit Walchwil, politischer Erfahrung, beruflicher und militärischer Führungserfahrung sowie der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Marcel Kunz
Ich bin, mit Ausnahme von Frank Feierabend, nicht parteipolitisch gebunden und kann frei entscheiden, wie ich abwägen, entscheiden und beraten kann.
Die Walchwiler Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass ich versuchen werde, sie und ihre Anliegen grundlegend ernst zu nehmen.
Sind Sie bereit, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn sie langfristig für Walchwil richtig sind?
Judith Hürlimann
Ja, natürlich. Nicht jeder Entscheid wird für alle der richtige sein.
Für mich ist wichtig, eine Sache von verschiedenen Seiten anzuschauen. Ich bin auch bereit, meine eigene Meinung zu überdenken, wenn es gute Argumente dafür gibt.
Am Ende muss man aber eine Entscheidung treffen. Wenn ich nach sorgfältigem Abwägen überzeugt bin, dass sie für Walchwil richtig ist, dann stehe ich auch dahinter – selbst wenn sie nicht überall gut ankommt.
Frank Feierabend
Ja, absolut. Für mich gehört es zur Verantwortung eines Gemeinderats, nicht nur die Auswirkungen einer Entscheidung von heute zu betrachten, sondern auch deren Folgen für die Zukunft. Nicht jede richtige Entscheidung ist im ersten Moment die populärste.
Gerade weil ich parteilos und somit unabhängig bin, kann ich Themen sachlich und ohne parteipolitische Vorgaben beurteilen. Mir ist wichtig, langfristig im Interesse von Walchwil zu handeln und nicht nach kurzfristigen Stimmungen zu entscheiden.
Oft ist es wie bei einer Investition in Qualität: Eine Lösung mag anfänglich mehr Aufwand oder höhere Kosten verursachen, zahlt sich aber über die Jahre aus und verhindert spätere Probleme oder Folgekosten. Deshalb bin ich bereit, auch unpopuläre Entscheidungen zu unterstützen, wenn ich überzeugt bin, dass sie für Walchwil langfristig die beste Lösung darstellen. Gleichzeitig gehört für mich dazu, diese Entscheide transparent zu erklären und den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen.
Sonja Bochsler-Rust
Ja. Verantwortung zu übernehmen bedeutet für mich auch, schwierige Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, dass diese sorgfältig abgewogen, nachvollziehbar begründet und langfristig im Interesse von Walchwil sind. Dabei ist mir wichtig, unterschiedliche Meinungen ernst zu nehmen und auch bei Gegenwind im respektvollen Dialog zu bleiben.
Christophe Lanz
Ja. Das gehört für mich zu einer Führungsaufgabe dazu. Als Bataillonskommandant bin ich es gewohnt, dass bei einem Bataillon mit fast 900 Angehörigen der Armee nicht alle gleicher Meinung sind. Trotzdem muss am Ende ein Entscheid getroffen und ein Auftrag erfüllt werden.
Dabei ist mir wichtig, nicht ins Mikromanagement zu verfallen, sondern den Blick für das Ganze zu bewahren. Auch als Gemeinderat sollte man unterschiedliche Meinungen ernst nehmen, die Argumente abwägen und dann Entscheide treffen, die für die Gemeinde langfristig richtig sind – auch wenn sie nicht immer allen gefallen.
Marcel Kunz
Dies ist keine einfache Frage. Denn wie will ich schlussendlich wissen, was für Walchwil langfristig richtig ist?
Zum einen wird mir da mein (hoffentlich) gesunder Menschenverstand bei der jeweiligen Abwägung die (hoffentlich) richtige Richtung weisen, und zum anderen wird gerade dies meine Stärke sein, nicht zwischen populär oder unpopulär zu unterscheiden, sondern eine gemeinsam erarbeitete Lösung zu finden.
Was sollen die Einwohnerinnen und Einwohner nach vier Jahren konkret von Ihrer Arbeit in Erinnerung behalten?
Judith Hürlimann
Es würde mich freuen, wenn die Menschen sagen: Judith war für unsere Anliegen da und hat sich dafür eingesetzt.
Sonja Bochsler-Rust
Ich wünsche mir, dass die Walchwilerinnen und Walchwiler sagen können: Sie hat zugehört, Verantwortung übernommen und angepackt. Sie hat wichtige Projekte mit Weitsicht vorangebracht, unterschiedliche Meinungen ernst genommen und dabei das Wohl unseres Dorfes im Blick behalten.
Marcel Kunz
Naja, war vielleicht nicht alles absolut Spitze, was der gemacht hat. Aber er hat immer den Mut gezeigt, seine Wahrheit zu sagen, ohne überzeugen zu wollen.
Welche Themen sind Ihnen persönlich besonders wichtig?
Judith Hürlimann
Familie, Soziales und Gesundheit sind für mich zentrale Themen – Bereiche, die uns alle irgendwann im Leben betreffen.
Gleichzeitig beschäftigt mich die Entwicklung von Walchwil. Unser Dorf wächst und verändert sich. Das bringt Neues, aber auch Herausforderungen mit sich. Dabei soll das Persönliche und unser Dorfleben nicht verloren gehen.
Frank Feierabend
Ein zentrales Anliegen ist für mich bezahlbarer Wohnraum. Diesen möchte ich gezielt weiter fördern – vorzugsweise dort, wo bereits bestehende Infrastruktur genutzt werden kann. So lassen sich diese Mieten möglichst tief halten. Auch soll der bezahlbare Wohnraum so ins Dorf integriert werden, ohne das besondere Dorfbild von Walchwil unnötig zu beeinträchtigen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist für mich die nachhaltige Integration. Während die Anzahl der Schweizerinnen und Schweizer stabil bleibt, wächst der Anteil der ausländischen Bevölkerung Jahr für Jahr; in rund zwölf Jahren dürfte die 50-Prozent-Marke erreicht werden (frankfeierabend.ch/statistik). Mit Massnahmen wie einem vereinfachten Zugang zu Deutsch- und Schwiizerdütsch-Kursen speziell auch für Erwachsene in Walchwil sowie Tagen der offenen Tür bei Vereinen soll die Integration langfristig gestärkt werden.
Sonja Bochsler-Rust
Mir ist wichtig, die hohe Lebensqualität in Walchwil zu erhalten und unsere Gemeinde vorausschauend weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine Infrastruktur, die den künftigen Bedürfnissen gerecht wird, ein familienfreundliches und generationenübergreifendes Dorf sowie gute Rahmenbedingungen für unsere Vereine und KMU. Besonders am Herzen liegen mir Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und ein respektvolles Miteinander.
Christophe Lanz
Mir sind gute und funktionierende Infrastrukturen wichtig. Gerade bei anstehenden Projekten möchte ich darauf achten, dass diese langfristig sinnvoll, bedarfsgerecht und nachhaltig geplant werden.
Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung. Sie bietet Chancen, Abläufe einfacher und effizienter zu gestalten – sowohl für die Bevölkerung als auch für die Verwaltung. Damit verbunden ist für mich auch eine effiziente Verwaltung: Die vorhandenen Mittel sollen sorgfältig eingesetzt und Prozesse laufend hinterfragt und verbessert werden.
Als Vater liegt mir zudem eine gute Bildung für die nächste Generation am Herzen. Eine Gemeinde soll gute Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Kinder und Jugendliche entwickeln können.
Marcel Kunz
Die Grundqualität unseres Grundwassers, nicht diejenige nach der Bearbeitung mit all den vielen Filtern, sondern die Qualität im reinen Zustand.
Eigene Erfahrungen haben mir gezeigt, dass dies leider nicht relevant für die Trinkwasserversorgung ist. Hauptsache, das abgegebene Trinkwasser ist genussfertig gemacht.
Mehr Recht für das Volk. Ich möchte der Bevölkerung wieder mehr Eigenverantwortung übergeben. Obwohl dies vielleicht nicht umbedingt erwünscht sein wird.
Wie möchten Sie den Kontakt zwischen Gemeinderat und Bevölkerung pflegen?
Judith Hürlimann
Ganz unkompliziert. Ich möchte auch als Gemeinderätin Judith bleiben.
Man darf mich jederzeit ansprechen – ich möchte wissen, was die Walchwilerinnen und Walchwiler beschäftigt.
Für mich soll der Kontakt zur Bevölkerung nicht mit dem Wahlsonntag enden – dort fängt er eigentlich erst richtig an.
Frank Feierabend
Der direkte Austausch mit der Bevölkerung ist mir sehr wichtig. Deshalb möchte ich den Kontakt nicht nur an Gemeinderatssitzungen oder offiziellen Anlässen pflegen, sondern dort, wo das Dorfleben stattfindet.
Einerseits bin ich regelmässig an öffentlichen Veranstaltungen wie dem 1.-August-Feier, dem Bärgfäscht oder anderen Dorfanlässen anzutreffen. Solche Begegnungen bieten die Möglichkeit, unkompliziert ins Gespräch zu kommen und Anliegen direkt aufzunehmen.
Andererseits bin ich regelmässig unter anderem im Mens Club, Bike Club und in der Männerriege Walchwil anzutreffen. Dort höre ich zu, erfahre aus erster Hand, was die Menschen beschäftigt, und kann gleichzeitig über laufende Gemeindethemen informieren.
Sonja Bochsler-Rust
Für mich entsteht guter Kontakt vor allem durch persönliche Begegnungen. Ich möchte für die Bevölkerung ansprechbar sein, zuhören und den direkten Austausch suchen – im Alltag, an Dorfanlässen oder im Vereinsleben. Nicht jedes Anliegen kann erfüllt werden, aber jedes Anliegen verdient es, ernst genommen zu werden. Eine offene und verständliche Kommunikation schafft Vertrauen – auch bei schwierigen Entscheidungen.
Christophe Lanz
Für mich beginnt das mit persönlicher Präsenz. Ich bin gerne im Dorf unterwegs und möchte auch als Gemeinderat nahbar und ansprechbar bleiben.
Bereits als Kantonsrat habe ich die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, ein offenes Ohr zu haben und aktiv zuzuhören. Die Anliegen der Bevölkerung müssen nicht immer zu einem politischen Entscheid führen, aber man sollte sie kennen und ernst nehmen.
Ich möchte deshalb einfach und unkompliziert ansprechbar bleiben – persönlich, im Dorf und ohne grosse Schwellen. Für mich gehört das zu einer Gemeinde, in der man sich kennt und gemeinsam Lösungen sucht.
Marcel Kunz
Wie oben erwähnt möchte ich die Entscheidungskraft wieder, sozusagen basisdemokratisch, dem Volk zurückführen.
Ich verstehe den Gemeinderat hauptsächlich als beratendes Organ, welches auf die Mithilfe von Kommissionen zurück greifen kann. Er nimmt Anfragen an und gibt die verschiedenen Lösungsansätze an die Gemeindeversammlung weiter zum entscheiden.
Dies würde sich in vermehrten Gemeindeversammlungen zeigen, super wäre dafür das Modell der Appenzeller Landsgemeinde geeignet. Eine Gemeindeversammlung soll ein Fest sein, kritisch aber immer gemeinschaftlich.