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Tansania lächelt (6)

Benachteiligte Mädchen

Wir erinnern uns an die Schweiz vor 1971. Kein Stimmrecht für Frauen, teilweise schlechtere Bildungs- und Berufschancen, schlechte Bezahlung für geleistete Frauenarbeit. Dann kam die legendäre Abstimmung und die Frauen erhielten endlich das Stimm- und Wahlrecht in der Schweiz. Aber selbst bis heute besteht keine absolute «Gleichheit» der Geschlechter in der helvetischen Gesellschaft, aber wir sind auf dem Weg.

Ja und wie ist das in Afrika, zum Beispiel in Tansania, wo unser Verein «Tansania lächelt» elf Kinder- und Jugendprojekte dank der finanziellen Hilfe unserer Mitglieder und Spender unterstützen darf? Die Lebensbedingungen für Frauen, Teenagerinnen und Mädchen sind schlechter als bei uns vor fünf und mehr Jahrzehnten. Im armen Land Tansania sind die eigenen Kinder nicht nur die direkten Nachkommen, sondern auch gleich ein zu investierendes Kapital und die Altersvorsorge. Gerade in ländlichen Gebieten ist die Situation für das weibliche Geschlecht noch sehr schlecht. Viele alte Bräuche und Mythen und entsprechende Handlungen sind in der Bevölkerung noch tief verwurzelt. Und es braucht noch viele Jahre/Jahrzehnte bis zum Erreichen der Gleichstellung von Mann und Frau.

Beschneidung der Mädchen
Das beginnt mit der Beschneidung der Mädchen. Ich erzähle die Geschichte von Namayani Saruni: Als sie beschnitten wird, ist sie zehn Jahre alt. Mit einer alten Rasierklinge schneidet eine Frau ihre Klitoris und ihre Schamlippen weg. Überall ist Blut, Saruni fühlt nichts als brennenden Schmerz. Es ist die Geschichte eines schwer zu durchbrechenden Kreislaufs. Systematisch wird den Mädchen erst ihr Recht am eigenen Körper genommen, dann ihre sexuelle Selbstbestimmung, schliesslich ihre Freiheit. «Auch nachdem die Wunden verheilt sind, bleibt Geschlechtsverkehr für beschnittene Mädchen sehr schmerzhaft. Es ist wie eine Vergewaltigung» erklärt die tansanische Aktivistin Mackrine Shao-Rumanyika, die sich seit Jahren beim Stamm der Massai für die Rechte von Frauen engagiert. Beschneidungen verursachen aber nicht nur Schmerzen, sie können auch töten. Immer wieder verbluten Mädchen, sterben an Infektionen oder Blutvergiftungen. Deswegen ist Genitalverstümmelung von Mädchen in Tansania offiziell seit mehr als 20 Jahren verboten. Aber dieses Ritual wird leider immer noch oft praktiziert.

Zwangsheirat
Durch die Beschneidung werden aus den Mädchen Frauen und bald kommt es zur Zwangsheirat. Für ihre Väter ist die Rechnung einfach: Je früher sie ihre Töchter verheiraten, desto eher bekommen sie den Brautpreis. Doch je eher und häufiger das Mädchen von ihrem Ehemann sexuell «gebraucht» wird, desto schneller wird aus der Kinderbraut auch eine Kindermutter. Surani durchläuft diese drei Stationen im Alter von 10 Jahren. Gesetzlich sind Beschneidungen, Zwangsheirat und Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen (unter 18 Jahren) verboten, aber selbst der kürzlich verstorbene Präsident und mit ihm viele Politiker von Tansania stehen voll hinter diesen Traditionen. Durch den sexuellen Missbrauch vieler Mädchen auch ausserhalb der Ehe und Familie kommt es sehr häufig zu ungewollten Schwangerschaften und damit zu grossen sozialen Problemen. Denn Mädchen, die ausserehelich ein Kind bekommen, werden von den Familien ausgestossen und landen mit ihrem Kind auf der Strasse, wo das Leben zum Kampf um Nahrung und Überleben wird.

Im Bildungswesen deutliche Nachteile
Die Mädchen in Tansania haben zudem auch im Bildungswesen deutliche Nachteile. Die meisten armen Familien können sich die Ausbildung der eigenen Kinder kaum leisten. Zwar ist die öffentliche Schule gratis und obligatorisch, aber es fallen doch noch viele Kosten an (Schulmaterial, Schuluniform, Transport, Essen). Und zuerst schickt jede Familie natürlich die Knaben zur Schule, auch wenn Männer später im Leben lieber die Frauen arbeiten lassen und selber oft herumstehen, miteinander reden und Bier trinken. Viele Mädchen haben so nie die Chance zur Schule zu gehen, weil die Eltern das nicht wollen oder weil sie es nicht finanzieren können. Wie oben erwähnt, werden viele Mädchen schon im Kindesalter verheiratet und geschwängert. So übernehmen sie schon als Kinder Aufgaben, die bei uns Zwanzig- bis Vierzigjährige bewältigen müssen.

«Tansania lächelt» engagiert sich für die Mädchen und jungen Frauen und Mütter. In neun unserer Partner-Projekten werden sowohl Mädchen als auch Knaben je zu ca. 50% betreut. Zwei Projekte sind reine Mädchengruppen. In zwei der insgesamt elf Projekten werden auch Kindermütter mit ihren Kindern aufgenommen. Dadurch kann das Mädchen in einer geschützten Umgebung leben und ihr Kind hat mit der Mutter zusammen gute Betreuung. Zudem wird ihr eine Bildung gewährt. Wir giessen nur einen kleinen Tropfen Wasser auf einen heissen Stein, den aber von Herzen und mit Engagement. Wenn jemand Mitglied oder Spender werden will, kann man dies auf unserer Homepage www.tansania-laechelt.ch gerne machen, wir sind für jede Unterstützung dankbar und investieren in die Jugend und insbesondere auch in Mädchen und Kindermütter! Und sagen herzlichen Dank!

Walter Kälin, Vorstand Tansania lächelt

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