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Tansania lächelt (10)

Wir sind ein Walchwiler-Verein/Hilfswerk, der den Ärmsten hilft, nämlich Kindern in Tansania. Dabei unterstützen wir 11 Waisen-/Kinderhäuser und Schulen mit über 900 Kindern. 

Selin Birrer ist angehende Hebamme und hat drei Monate in einem Spital in Tansania ihr Praktikum absolviert. Sie ist Mitglied von unserem Verein «Tansania lächelt» und erzählt uns von ihren Erfahrungen und Eindrücken.

Als Hebamme Leben und Tod vor Augen

Leben und Tod. Sie liegen auf der Säuglingsstation des Kilimanjaro Christian Medical Center in Tansania nahe beieinander. Rund 6300 Kilometer Luftlinie von zu Hause. «Meine Unterkunft befindet sich auf einer kleinen Farm, 400 Meter von den Ndoro-Wasserfällen entfernt», sagt Selin Birrer. Neben Nachbars Hühnerschar und den Kindern auf dem nahen Fussballplatz gibt jene Lebensader den Ton an, die Avocado-Kulturen, Bananenbäume und Kaffeesträucher zum Blühen bringen. Dies in einem Land, in dem es über der Hälfte der Bevölkerung am Nötigsten fehlt und deshalb bereits der Start ins Leben das Ende sein kann.

Die 23-jährige angehende Hebamme konnte erahnen, worauf sie sich einliess, als sie sich gemeinsam mit ihrer Studienkollegin Rahel Schmid im Rahmen ihrer Ausbildung für ein dreimonatiges und unentgeltliches Praktikum im Kilimanjaro Christian Medical Center bewarb. Erfahrungsberichte von Vorgängerinnen, welche die Zustände im afrikanischen Zentrumsspital beschrieben, hatten sie mehrere gelesen. «Und trotzdem kamen wir auf der Geburtsabteilung wortwörtlich auf die Welt», sagt Selin Birrer. Eine Maus im Gebärsaal, ein Vogel, der sich durch nicht vorhandene Glasfenster in die Wochenbettabteilung verflog oder hunderte von Bienen, die während der Nachtschicht auf den Spitalgängen herumsurrten – daran mussten sich die beiden Schweizerinnen erstmal gewöhnen. Genauso wie eine Frau mit beginnendem Pressdrang im Schein einer Taschenlampe zu betreuen, weil wieder einmal der Strom ausfiel. Eine wichtige Rolle spiele im Spitalalltag der Glaube. «Ob nach einem Rapport, vor einer Operation oder in der Pause. Es wird viel gebetet, Kraft und Hilfe von Gott erfleht.»

Wenn Technik über Sein oder Nichtsein mitentscheidet

Es fehle an «allen Ecken und Enden», beschreibt Selin Birrer die Zustände im Krankenhaus. Statt in einem Zimmer mit 15 Betten finden sich viele der frischgebackenen Mütter im Gang wieder. Bett an Bett. Die eine freudenstrahlend mit einem gesunden Baby im Arm, die andere direkt nebenan untröstlich über den Verlust ihres Neugeborenen. Wo das Leben pulsieren sollte, ist der Tod allgegenwärtig. In der Schweiz sterben bis zum fünften Lebensjahr 4 von 1000 Kindern. In Tansania sind es 50 Kinder. Nackte Zahlen, die für Selin Birrer auf der Neonatologie wortwörtlich Gesichter bekamen. In dieser Spezialabteilung werden zu früh oder mit Fehlbildungen wie Lippenkieferspalten, Herzfehler oder offenen Rücken zur Welt gekommene Babys behandelt. Die letzten Monate starb hier jedes dritte eingewiesene Kind. Dies macht umso trauriger, weil den meisten mit der in Europa vorhandenen Spitzentechnologie hätte geholfen werden können. Doch selbst das Vorhandene komme manchmal nicht zum Einsatz, weil es dem Personal am nötigen Fachwissen fehlt.

Mit Windel oder nackt im Bettchen – eine Frage des Geldes

In Tansania besitzen die wenigsten Familien eine Krankenversicherung – es fehlt an den nötigen Finanzen. «Manchmal reicht das Geld auch nicht für eine Windel. Dann wird das Baby nackt ins Bettchen gelegt», so Selin Birrer. Geld spiele im Spitalalltag bis zuletzt eine Rolle. Eine Mutter darf das Krankenhaus erst verlassen, wenn sämtliche Rechnungen beglichen sind. «Unsinnig, weil jeder weitere Tag zubuche schlägt und die betroffene Familie an den Rand der Existenz bringt», sagt die angehende Hebamme und fügt an: «Du wolltest wissen, was den Klinikalltag auf der Geburtenstation in Tansania von jenem in der Schweiz unterscheidet? Um es kurz zu machen: Abgesehen vom eigentlichen Geburtsvorgang so ziemlich alles.»

Kleine Gesten und grosses Glücksgefühl

Die erfolglose Reanimation eines Babys? «Leider mehrfach erlebt», sagt Selin Birrer und fügt nach einer langen Pause an: «So nahe am Tod war ich in meinem ganzen Leben noch nie.» Sie macht keinen Hehl daraus, dass ihr dies Mühe bereitet. Doch bereut, nein, das habe sie ihr Auslandpraktikum nie. Seis nur, weil sie beispielsweise einer Mutter ein gestricktes Käppli oder Body schenken oder einem kranken Neugeborenen eine Musikdose in sein Bettchen legen konnte. Spenden, welche sie in der Schweiz gesammelt hatte, wurden im Kilimanjaro Christian Medical Center dankend angenommen. «Das grösste Glücksgefühl löst bei mir aber jedes gesunde Baby aus, dem ich auf die Welt verhelfen konnte», sagt Selin Birrer. Ins Herz geschlossen hat sie mitunter den kleinen Timael. Den Namen durften sie und ihre Kollegin Rahel Schmid auf Wunsch der Mutter dem «strammen Kerlchen» gleich selbst geben.

Gerne gebe ich Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, detaillierte Informationen über unser Hilfswerk/unseren Verein. Kontaktieren Sie mich, oder rufen Sie mich einfach an: u.flury@tansania-laechelt.ch oder 079 663 38 04. Auf unserer Website finden Sie vertiefte Informationen über unser Handeln, unsere Philosophie und über unsere Organisation.

Urs Flury, Präsident Tansania lächelt

 

Unser Spendenkonto:
Tansania lächelt, Hinterbergstrasse 16, 6318 Walchwil
Zuger Kantonalbank, 6301 Zug
IBAN: CH27 0078 7785 4503 4508 6

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