Die junge Camerata Memoria Cordis in der reformierten Kirche Walchwil. Aussicht und Atmosphäre der reformierten Kirche in Walchwil hat es ihnen angetan.
Nach zwei Jahren sind die jungen Musikerinnen und Musiker zurückgekehrt: eine Stunde beglückendes, auswendiges Musizieren ganz ohne Noten, dafür mit einer Intensität, einer Spannung und einer konzentrierten Lockerheit, welche die Zuhörenden zum Teil dieser Musik werden lässt. Kein Dirigent steht hier im Zentrum, auch keine Stars; hier bewegt sich ein Ensemble, das sich im Musizieren zusammenfindet. Da zeigt sich Ernsthaftigkeit, Wagemut und Spielfreude vereint, aber auch eine bewährte Sicherheit und eine Aufmerksamkeit füreinander sind offensichtlich und ansteckend. Statt Taktstock wirkt bei allen Mitspielenden Herz für diese Musik, ein starker Spirit, ein Lächeln hier, ein Blick dort.
Das Ensemble nahm Raum ein, bewegte und formierte sich zu wechselnden Quartetten und fand sich wieder im Plenum. Der zeltartige Kirchenraum trug das Seine bei und wurde zum erfüllten Klangkörper. Beschenkt, beglückt und bereichert blieb man gerne anschliessend auf der Kirchenterrasse und machte sich dann aufgeladen mit frischen Batterien hinaus in die neue Woche.
Diese junge Camerata Memoria Cordis trägt ihren Namen zu Recht. Hier wird mit Herz auf hohem Niveau musiziert. Dieses Ensemble strahlt reife Begeisterung aus und an diesem Abend begeisternde Reife. Es gibt dem Musikleben der Zentralschweiz zweifellos eine ganz besondere Note. Das Programm mit Edvard Grieg und Arrangements schottischer Volkslieder war kurzweilig, die Bezeichnung mit «folk.lore» jedoch eine sympathische Untertreibung. Diese Camerata macht klassische Musik zum energievollen Erlebnis! Text und Bilder: Hans Ruedi Kilchsperger

