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Kann bezahlbarer Wohnraum in Walchwil wirklich bezahlbar sein?

Kann bezahlbarer Wohnraum in Walchwil wirklich bezahlbar sein? Und was ist bezahlbar? Ja. Die Korporation Zug zeigt mit dem Projekt «Schliffi», dass preisgünstiger Wohnraum auch in einer teuren Region möglich ist.

Bevor wir ins Detail gehen, stellt sich aber die Frage: Was verstehen Walchwilerinnen und Walchwiler überhaupt unter bezahlbarem Wohnraum? Aus meinen Gesprächen als Gemeinderatskandidat nehme ich als Erwartungshaltung ungefähr folgende Grössenordnung mit: maximal rund 2000 CHF für eine 3½-Zimmer-Wohnung und rund 3000 CHF für eine 4½-Zimmer-Wohnung – also ähnliche Mietpreise wie in unseren Nachbarkantonen Schwyz, Aargau und Zürich bzw. im Säuliamt. Im Projekt «Schliffi» der Korporation Zug soll eine 3½-Zimmer-Wohnung gemäss Medienberichten 1800 CHF kosten.

Wie sind 1'800 CHF für eine 3½ Zimmer Wohnung in Zug möglich?
Einerseits, indem kostengünstig gebaut wird, und andererseits, indem an bestehende Infrastruktur angeknüpft wird. Gemäss Medienberichten verzichtet die Korporation Zug unter anderem auf Hochhäuser1, ein zusätzliches Untergeschoss und weitere kostenintensive Massnahmen, um die Baukosten im Rahmen zu halten. Die Nachfrage dürfte hoch sein. Die Vergabe richtet sich nach den Richtlinien der Korporation Zug; bevorzugt werden insbesondere Personen mit Wohnsitz oder langjährigem Bezug zur Stadt bzw. zum Kanton Zug.

Wäre das in Walchwil auch möglich?
Ja, grundsätzlich schon. Allerdings müssen in Walchwil die örtlichen Gegebenheiten – insbesondere die Hanglage – realistisch einkalkuliert werden. Nach meiner eigenen groben Schätzung könnten Hangsicherung und erschwerte Bauweise den Mietpreis um bis zu rund 20% erhöhen. Das würde bedeuten, dass in Walchwil für eine 3 ½-Zimmer-Wohnung wie im Schliffi rund 2'200 CHF und für eine 4 ½-Zimmer-Wohnung rund 3'400 CHF realistisch sein könnten. Auch hier gilt jedoch: Damit solche Mieten möglich werden, muss konsequent kostengünstig gebaut werden – ohne unnötig teure Bauformen, ohne überdimensionierte Parkgaragen, möglichst an bestehender Infrastruktur und, wo möglich, an vergleichsweise flacher Lage.

Kann der Bedarf an solchen wirklich bezahlbaren Wohnungen in Walchwil gedeckt werden?
Diese Frage ist schwieriger zu beantworten. Wenn solche Wohnungen in erster Linie für Walchwilerinnen und Walchwiler vorgesehen werden, die bereits seit längerer Zeit hier wohnen, könnte ein grosser Teil des lokalen Bedarfs gedeckt werden. Dass jede interessierte Person eine solche Wohnung erhalten kann, ist jedoch unrealistisch. Trotzdem würde ein entsprechendes Angebot den Mietmarkt spürbar entlasten.

Mein Fazit
Wirklich bezahlbarer Wohnraum in Walchwil ist möglich – vorausgesetzt, es wird konsequent kostengünstig geplant und gebaut, bestehende Infrastruktur wird genutzt und die Gemeinde legt eine klare, faire Vergaberegelung fest.

Über den Autor dieses Artikels
Ich bin Frank Feierabend, Kandidat für den Gemeinderat Walchwil, und wohne seit 2020 in Walchwil. Beruflich bin ich Projekt- bzw. Portfolioleiter für Digitalisierungs-, Automatisierungs- und Infrastrukturprojekte. Meine Einschätzungen und Annahmen basieren auf meiner zwölfjährigen Erfahrung in diesem Bereich.

Quellen
https://www.bilanz.ch/invest/immobilien/35-zimmerwohnung-fuer-unter-1800-franken-und-das-in-zug/1nznvl6
https://services.vkg.ch/rest/public/georg/bs/publikation/documents/BSPUB-1394520214-57.pdf/content
https://www.blick.ch/wirtschaft/wie-geht-das-denn-neue-3-5-zimmerwohnung-fuer-unter-1800-franken-und-das-in-zug-id22247086.html

1Ab 30 m Höhe wird ein Gebäude in der Schweiz als Hochhaus bezeichnet, gemäss Vereinigung Kantonaler Feuer-/Gebäudeversicherungen (Services VKG Seite 8)

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