Strahlend blauer Himmel, sommerliche Temperaturen und 62 aufgeregte Rennpilotinnen und Rennpiloten – die Voraussetzungen für das traditionelle Seifenkistenrennen in Walchwil hätten kaum besser sein können. Alle zwei Jahre verwandelt sich Anfang September die Forchwaldstrasse in eine Rennstrecke, auf der die jungen Pilotinnen und Piloten mit farbenfrohen Seifenkisten um die besten Zeiten kämpfen.
Am Sonntag, 6. September, herrschte bereits am Morgen auf der Usseregg reges Treiben. Hier wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, Helme aufgesetzt, Seifenkisten bestaunt und wohl auch noch der eine oder andere gute Rat von Eltern und Betreuern entgegengenommen. Die Spannung war förmlich zu spüren. Schliesslich wollte jeder der jungen Rennfahrerinnen und Rennfahrer wissen, wie schnell die eigene Kiste den Berg hinunterflitzen würde.
Nach dem Trainingslauf am Morgen wurde es am Nachmittag ernst. Punkt 13.00 Uhr ging der erste kleine Pilot unter dem kräftigen Applaus des zahlreichen Publikums auf die Strecke. Mit leuchtenden Augen, festem Griff am Lenkrad und einer gehörigen Portion Mut ging es los. Kaum war die Startlinie passiert, nahm die Seifenkiste Fahrt auf und sauste talwärts Richtung Schreinerei Müller.
Wenn die Strasse zur Rennpiste wird
Entlang der Forchwaldstrasse standen zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer und liessen sich das Spektakel nicht entgehen. Eltern, Grosseltern, Geschwister, Freunde und viele Rennsportbegeisterte feuerten die jungen Piloten lautstark an. Jubel und Zurufe begleiteten die rasanten Fahrten, während die bunten Seifenkisten Kurve um Kurve dem Ziel entgegenrollten.
Für die Kinder war jede Fahrt ein kleines Abenteuer. Da wurde konzentriert gelenkt, gebremst, gehofft und manchmal wohl auch ein wenig die Luft angehalten. Denn auch wenn es letztlich um möglichst schnelle Zeiten ging, stand eines ganz klar im Vordergrund: die Freude am Fahren und das gemeinsame Erlebnis.
Eine Idee aus einfachen Holzkisten
Dass ausgerechnet eine einfache Holzkiste zum Ausgangspunkt eines solchen Rennvergnügens werden konnte, hat eine interessante Geschichte. Der Begriff «Seifenkiste» – auf Englisch «soap box» – stammt aus den USA und geht auf die 1930er-Jahre zurück.
Damals wurden Seifen und andere Waren in stabilen Holzkisten an die Geschäfte geliefert. Für viele Kinder waren die leeren Kisten nach dem Auspacken ein geradezu ideales Baumaterial. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten liessen oft keinen Platz für teures Spielzeug oder gar ein eigenes Fahrrad. Also war Erfindergeist gefragt.
Mit Brettern, Rädern, Schrauben und einer guten Portion Fantasie entstanden aus den ausgedienten Kisten die ersten selbst gebauten fahrbaren Untersätze. Was aus der Not heraus begann, entwickelte sich bald zu einem beliebten Kinderspass. Aus dem einfachen Bastelprojekt wurde mit der Zeit ein faszinierender Rennsport, bei dem es ganz ohne Motor, dafür mit viel Geschick und möglichst viel Gefälle, um jede Sekunde geht.
Ein Fest für Jung und Alt
Diese ursprüngliche Idee lebt auch in Walchwil weiter. Die Seifenkisten sind zwar längst nicht mehr bloss einfache Holzkisten, sondern oft liebevoll gestaltet und mit viel Kreativität gebaut. Doch das Wichtigste ist geblieben: Die Kinder tüfteln, fahren und erleben gemeinsam einen Tag voller Spannung und Freude.
So wurde die Forchwaldstrasse an diesem sonnigen Sonntag für einige Stunden zur wohl schnellsten Strasse von Walchwil. 62 junge Rennfahrerinnen und Rennfahrer sorgten für Tempo, Begeisterung und manches strahlende Gesicht am Streckenrand.
Und wenn nach der letzten rasanten Fahrt wieder Ruhe auf der Forchwaldstrasse einkehrt, bleibt vor allem eines zurück: die Erinnerung an einen besonderen Tag, an dem Kinderträume auf vier Rädern den Berg hinuntergesaust sind. kh.










